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Führung 1 - Baugeschichte von Asamkirche und Kloster Rohr
Eine Frucht der Kirchenreform Papst Gregors VII. waren die Chorherrenstifte. Als Zentren der Seelsorge auf dem flachen Land und zur Pflege der Liturgie entstanden sie zu Beginn des 12. Jahrhunderts in Altbayern und Österreich in erstaunlicher Zahl, zumal im Voralpenraum. In diese Zeit fällt auch die Stiftung des Klosters Rohr.
Der Edle Adalbert von Rohr aus der Familie der Abensberger Babonen schenkte 1133 nach kinderloser Ehe sein Besitztum dem Regensburger Bischof, damit in Rohr ein Kloster für Augustinerchorherren gegründet würde. Damals entstand eine romanische Basilika mit einem massigen freistehenden Turm.
Stifterbild im Chorraum aus der Werkstatt Cosmas Damian Asams (Ausschnitt)
Die romanische Kirche wurde 1438 restauriert und im Sinne der Gotik umgebaut. Die romanischen Rundbogenfenster erhielten Spitzbögen, Langhaus und Seitenschiffe wurden im Stil der Zeit eingewölbt, der romanische Altarraum durch einen eingezogenen tiefen Chor mit polygonalem Abschluß ersetzt.
Kloster Rohr, Holzschnitt von Jost Amman, um 1560
Die Stiftskirche erhielt 1618/20 dann eine barocke Ausstattung und Stuckierung. Das ursprüngliche kleine Klostergeviert wurde im Südwesten um eine zweite, größere Quadratur erweitert. Der Dreißigjährige Krieg hinterließ wenig später davon nur noch eine Klosterruine und eine schadhafte Kirche. Nach 1661 konnten jedoch mit kurfürstlicher Hilfe die Klostergebäude wiederhergestellt werden, möglicherweise unter Mitwirkung von Antonio Riva.
Erst das 18. Jahrhundert brachte für Rohr die barocke Bauzeit, durch deren Werke das Kloster weltberühmt wurde. Unter Propst Patricius II. von Heydon aus Straubin (1682-1730) entstand 1717-1723 durch den erst fünfundzwanzigjährigen Egid Quirin Asam die heutige Kirche. Die Weihe des neuen Gotteshauses mit seinen neun Altären erfolgte am 27.9.1722. 1723 vollendete Egid Quirin Asam die Hochaltarplastiken. 1749-1761 wurde das restliche Kloster neugebaut, jedoch wurde der größte Teil nach der Säkularisation 1803 zerstört. Nur die Kirche und der Ostflügel blieben erhalten.
Das Augustinerchorherrenstift, Kupferstich von Michael Wening, um 1700
In den Jahren von 1972 bis 1987 wurden umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen in der Kirche durchgeführt. Dabei wurde der später hinzugefügte Lettner, der Chorgestühl und Kirchenraum trennte, entfernt.
Seit 1945 sind die Benediktiner von Braunau mit dem Wiederaufbau der Klosteranlage beschäftigt. 1949 wurde der Westflügel wiederhergestellt, 1956/57 folgte der Nordtrakt, 1959 ein Teil des Südflügels. 1966-1968 wurden Turnhalle und Schwimmbad errichtet, 1968-1973 folgte der restliche Teil des Südflügels, hier wurde das gewachsene Gymnasium untergebracht. Parallel konnte 1975-78 auch ein kleines Gästehaus errichtet werden. 1982 wurde der Westflügel ausgebaut und eine weitere Turnhalle errichtet. 1993-1995 wurde die Schule durch einen südlich gelegenen Bau erweitert. 1998-2000 erweiterte man den Ostflügel nach Norden, um dort eine Bibliothek und ein neues Begegnungszentrum für Deutsche und Tschechen einzurichten. Seit dem Jahr 2000 wird schließlich der barocke Ostflügel, der den Konventstrakt beherbergt, umfangreich saniert und umgebaut
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Führung 2 - Baumeister und Künstler
Die Kirche zu Rohr ist ein Werk von Egid Quirin Asam (1692-1750). Er ist der Architekt, der Stukkator, der Gestalter der Altaraufbauten und der Schöpfer der plastischen Darstellung von Mariä Himmelfahrt (1717/23). E. Q. Asam ist durch den zeitgenössischen Klosterchronisten Antonius Bonzano als Architekt der Kirche gesichert; Bonzano spricht bei der Grundsteinlegung (1717) von dem “Edlen undt Kunstreichen Herrn Aegidii Asam, der das gebäu fuehrte”. Die Rohrer Kirche ist sein erstes architektonisches Werk von Rang.
1.Bild: Mariä Himmelfahrt, Plastik im Chorraum
Cosmas Damian Asam (1686-1739) schuf das Altarbild im nördlichen Querschiff (1722) und das des Altares an der Kanzel. Aus seiner Werkstatt stammen vielleicht die Gemälde des Johannes-Nepomuk- und des Appolonia-Altares und das Stifterbild im Presbyterium.
Das Werk der Brüder Asam, deren Schaffen von Einsiedeln in der Schweiz und Mannheim durch ganz Süddeutschland und Böhmen bis nach Wahlstatt in Schlesien reicht, wurde für die Benediktiner aus Braunau gleichsam zu einem Bindeglied gleichsam zu einem Bindeglied zwischen ihrer alten und neuen Heimat: Cosmas Damian Asam hatte den Festsaal des Klosters St. Margareth zu Prag- Brevnov und die Probsteikirche in Wahlstatt mit Fresken geziert.
2.Bild: Johannes-Nepomuk-Altar
Ausführender Baumeister war der aus Wessobrunn stammende Maurermeister und Stukkator Joseph Baader, Sohn des Maurermeisters Erasmus Baader; er heiratete 1695 M. Ursula Änderl in Rohr, wo er viele Aufträge bekam (gest. 1721). Auch sein Sohn Martin Baader (geb. 1704) wirkte als “architectus huius loci” in reicher Tätigkeit. Er führte u.a. 1749 bis zu seinem Tod 1755 das neue Stiftsgebäude aus. Arbeitete Egid Quirin Asam hier mit einem Wessobrunner zusammen, so wählte sein Bruder Cosmas Damian einen Wessobrunner Stukkator als Begleiter zu seinen Aufträgen in Böhmen.
Johann Claudi war ein maßgeblicher Mitarbeiter Egid Quirin Asams an den Stuckfiguren des Hochaltares. Vielleicht war der Bildhauer Adam Claudi in Linz an der Donau (1677 genannt) ein Verwandter.
Johann Jakob Ple(ä)zger aus Landshut schuf das Altarbild im südlichen Querschiff (1721) und das des Rosenkranzaltares (1722).
Joh. Konrad Brandenstein aus Stadtamhof schließlich gestaltete 1725 das Orgelwerk, das 1958 von Guido Nenninger erneuert wurde.
3.Bild: Die große Barockorgel
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Führung 3
Architektur der Rohrer Asamkirche
Egid Quirin Asam und sein Bruder Cosmas Damian standen 1717 noch stark unter dem Eindruck ihrer Ausbildung an der Accademia di San Luca in Rom, wohin der Abt von Tegernsee sie geschickt hatte. So sind denn in der Rohrer Kirche vielfach römische Vorbilder und Einflüsse zu erkennen. Ein zweiter Faktor, der die Anlage Rohr mitgeprägt hat, waren die baulichen Vorgegebenheiten. Da schon aus finanziellen Gründen an einen gleichzeitigen Neubau des Klosters nicht zu denken war, andererseits aber der stabile Turm mit romanischem Unterbau, den erst zwanzig Jahre zuvor (1696) wohl Joseph Baader in barocker Manier aufgestockt hatte, in die neue Kirche einbezogen werden sollte - an den Turm und die Nordwand der Kirche lehnte sich (bis zur Säkularisation) seit 1452 noch die Heiliggeistkapelle an, einst Grablege der Vogtfamilie, der Herren von Abensberg -, mußte beim Bau auf diese Gegebenheiten Rücksicht genommen werden. Drittens verbot die unsichere Bodenbeschaffenheit jedes Experiment mit einer gewagten Gewölbe- oder Dachkonstruktion, die ein eigenwilliger Grundriß erfordert hätte.
So ist es Egid Quirin Asam gelungen, durch Rückgriff auf die Grundform der römischen Barockkirche, in den vorgegebenen Raum zwischen der mittelalterlichen Klosteranlage im Süden und dem massigen Turm und der Heiliggeistkapelle im Westen und Norden unter Einbeziehung alten Mauerwerks auf der Südseite ein bauwerk zu entwerfen und auszuführen, das bei der unsicheren Bodenbeschaffenheit ein Maximum an statischer Sicherheit versprechen mußte. Und innerhalb dieser Grundkonzeption wurde das architektonische Detail (mit Verwertung verschiedener Anregungen aus bayerischen Barockkirchen) so angelegt, daß es folgerichtig hinstrebt auf den Bühnenaufbau, der den streng-großartigen Rahmen abgibt für des Künstlers Vision von der Aufnahme Mariens in den Himmel.
links: Grund- und Aufriß der Asamkirche
Der Grundriß der Asamkirche unterscheidet sich von dem der alten Kirche vor allem durch die Entscheidung für ein Querschiff und durch die Verlängerung des Hauptschiffes um ein damals beliebtes schmales Joch nach Westen, wodurch der bisher freistehende Turm in die Gesamtanlage einbezogen wurde. Die für den Kenner bayerischen Barocks enttäuschend einfach anmutende Fassade ist römischen Barockkirchen (S. Susanna) nachgebildet (vgl. Weltenburg).
Die basilikale Form des Äußeren präsentiert sich im Inneren als ein Hauptschiff (Langhaus 23 : 18,90 m), begleitet von Kapellen, die von Quertonnen überwölbt sind und strenge Arkaden bilden. Die Kapellen sind untereinander durch einen Laufgang verbunden, der sich zum Querschiff interessanterweise schräg öffnet (s.o. Grundriß). Ein in reicher, ungewöhnlich hoher Profilierung vorkragendes Gebälk trennt - abermals römischen Vorbildern folgend (Il Gesú, San Ignazio) - das lichte Gewölbe von der Wand ab. Über ihm eine verzierte Attika (vgl. u.a. Weingarten). Die glatt gerahmten Lünettenfenster wiederum schneiden mit Stichkappen in das Tonnengewölbe des Hauptschiffes (Scheitelhöhe 18,65 m) ein und belichten es umso mehr.
Die besondere Asamsche Durchformung des Innenraumes ist am augenfälligsten an der Kreuzung des Hauptschiffes (Vierung 12,40 : 12,30 m) mit dem Querschiff (je ca. 7,50 m), wo je ein Säulenpaar die Ecken verstellt. Aber auch die Kompositkapitelle dieser Säulen zeigen wie bei den Pilastern des Kirchenschiffs die für Asam typischen, nach oben gerollten Voluten, die die Funktion der die Gewölbelast tragenden Säulen optisch geradezu aufheben.
Besonders einfallsreich ist die Verbindung des Orgelprospektes mit der architektonischen Umrahmung des Westfensters, ein Gestaltungsmotiv, das bereits bei den Altären des Querhauses auftritt. Es findet sich über der Orgel, wie noch öfters bei Egid Quirin Asam, als kleines Gegenüber zum Hochaltarretabel.
Ein Merkmal dieser Kirche und Egid Quirin Asams ist ferner das überaus betonte, sehr hohe Gesims über den Pilastern der Seitenkapellen, das auch an der Orgelempore weitergeführt wird: eine weitere starke Akzentuierung der Horizontallinien.
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Führung 4
Die Innenausstattung des Chorraumes
In kaum einer anderen Kirche wird die Innenausstattung so vom Hochaltar bestimmt wie in Rohr. Er ist hier nicht einfach notwendiges Ausstattungsstück, sondern Zentrum, Keimzelle nicht nur der gesamten Innenausstattung, sondern bereits der Architektur des Raumes. Was bislang nur zu besonderen Zeiten aufgebaut wurde, etwa als Weihnachtskrippe oder Heiliges Grab, das entwickelt Egid Quirin Asam hier zu einer mächtigen, aus der Raumarchitektur erwachsenden, die ganze Chorapsis füllenden tiefräumigen Schaubühne. Nach Weltenburg wurde diese Altarform in Rohr zu ihrem unübertroffenen Höhepunkt geführt. Die wohlüberlegte indirekte Lichtzuführung bringt die Bühnenszene erst recht zur Wirkung.
“Hochaltar” ist in Rohr allerdings nicht nur diese Schaubühne mit der Himmelfahrtsgruppe, er beginnt bereits an der rotmarmornen Kommunionbank. Die Dreiviertelsäulen an der Vierung bilden die Vorhangkulisse, bekrönt von der Stuckfigurengruppe am Triumphbogen: der Hl. Augustinus in der Glorie. Man blickt gewissermaßen bei stets geöffnetem Vorhang in einen barocken Bühnenraum, in dem sich das geistliche Schauspiel vollzieht. Nur so kann man den Hochaltar in seinen Teilen verstehen und als Ganzes begreifen. Diese Bühne ist dreiteilig: 1. der freistehende Hochaltar im Vordergrund mit Vorraum, 2. das Chorgestühl mit seinem Raum, 3. überhöht, die plastische Darstellung von Mariä Himmelfahrt, die mit ihrer Himmelszone bis in das Gewölbe reicht. Die Illusion wird noch verstärkt durch die beiden Balkone links und rechts.
Die Idee der dreiteiligen Bühne einerseits und ihre Ganzheit als Hochaltar andererseits werden erst richtig klar, wenn sich hier tatsächlich die Liturgie an hohen Festtagen entfaltet. Zwischen Altar und Kommunionbank vollzieht sich die gottesdienstliche Handlung. Im Chor, dem 2. Raum, wird das Fest durch Gesang und Gebet der Mönche begleitet. Man muß dazu bedenken, daß die Chorherren weiße und cremefarbene Chorkleider trugen, nicht schwarze, wie die Benediktiner heute. So manche korrespondierende Gruppe ergibt sich dabei zwischen den Zelebranten im ersten Raum und den Aposteln im dritten. Wir haben hier ein gutes Beispiel, wie ein sakrales Kunstwerk erst lebt und vollendet ist und zu einer Einheit zusammenwächst, wenn tatsächlich der Gottesdienst darin vollzogen wird, für den es geschaffen ist.
Der eigentliche Hochaltar ist klein und zierlich. Aber durch seine Vergoldung wird er aus dem Ganzen als Brennpunkt herausgehoben. Er besteht - wie oftmals in der barocken Liturgie - nur aus einer Mensa mit reich geschnitztem Antependium und dem Tabernakel mit den beiden Voluten. Er ist so zurückhaltend gestaltet, daß er mit der Tabernakelspitze und den verzierenden Vasen gerade noch in den Sarkophag der Himmelfahrtsdarstellung hineinragt. So bleibt er trotz der räumlichen Trennung mit dem eigentlichen Altaraufsatz verbunden.
Das dunkle, vornehme, intarsierte Chorgestühl in Hufeisenform mit seiner ganz in der Formensprache des Stucks gehaltenen Schnitzerei und der dazwischenliegende Raum wirken nicht trennend, sondern führen von der Altarmensa zur Himmelfahrt.
Wenn auch der kleine Hochaltar der Brennpunkt der ganzen Altarkomposition als Bühnenraum ist, so fesselt doch am stärksten die Vision von der Aufnahme Mariens, der eigentliche Altaraufbau, die dritte Bühne (Tiefe über 6 m, Sockelhöhe fast 3 m). Die Mitte der Bühne, die die ganze Breite der Apsis füllt, nimmt der mächtige Sarkophag ein, in dem Maria zur letzten Ruhe gebettet worden war. Nach dem Bericht der Legende war Thomas bei Mariens Tod nicht zugegen. Deshalb führten ihn seine Mitapostel zum Grab, um es nochmals zu öffnen.
Das Grab ist leer! Der Leib ist fort! - Diesen Augenblick hat der Künstler festgehalten. Welche künstlerische Kraft muß dieser Egid Quirin Asam besessen haben! Diese Männer um den Sarkophag zeigen die ganze Breite menschlicher Empfindungen und Reaktionen vom ungläubigen, überraschten Schauen (Thomas, der die Tücher aus dem Grab zieht), über Erstaunen und Erschrecken bis zum gläubigen Verstehen (Johannes, rechts im Vordergrund) und Niedersinken in demütiger Annahme göttlichen Tuns. Dabei sind die Apostel keine isolierten Figuren, sie sind in ihrer Haltung, ihren Gebärden so aufeinander abgestimmt, daß sie ein großartiges Ganzes bilden; selbst Jakobus d.Ä. (mit dem Zeichen des Pilgers), der erst links zwischen den Säulen herbeikommt, ist irgendwie Glied dieser Gruppe.
Und über dieser erregten Schar der Apostel fällt der Blick auf Maria, die nicht aus eigener Kraft zum Himmel aufsteigt, sondern von Engeln emporgetragen wird (“Assunta - Aufgenommen”). Diese “schwebende” Madonna vor dem die Bühne nach hinten abschließenden smalte- blauen Brokatvorhang mit dem kurbayerischen Wappen ist das unübertroffene Glanzstück künstlerischer und technischer Leistung. Diese Gruppe von Maria und den Engeln hat den Bereich irdischer Erregtheit (der Apostel) bereits verlassen; sie ist voller Leben, aber gleichzeitig strahlt sie innere Ruhe aus. Einer der begleitenden Engel trägt ein Blumenkörbchen, aus dem er - gleichsam als Abschiedsgruß - den Aposteln eine goldene Rose zugeworfen hat.
Im obersten Teil des Altaraufbaus, jenseits des die Grenze zwischen irdischem und himmlischem Bereich markierenden weiten goldenen Kronreifs der von Engeln getragen wird (eine typische Komposition Asams), thronen Gott-Vater und Gott-Sohn, die Krone bereithaltend, mit der sie die zum Himmel Emporgetragene zur Königin des Himmels krönen werden.
Darunter, gerade noch im goldenen Licht des großen gelben Fensters (vgl. Berninis Cathedra-Fenster im Petersdom in Rom), schwebt der Hl. Geist in der Gestalt der Taube, den Brautring Mariens im Schnabel. (Das Ringmotiv hat Asams Vater um 1684 in Benediktbeuern dargestellt.) Der Willkommensgruß an Maria steht in lateinischer Sprache an der Decke: UNA COLUMBA VENI / CAPE TRINA INSIGNIA NAMQUE / UNIUS ET TRINI ES / FILIA SPONSA PARENS; zu deutsch: “Komm, Du einzige Taube, / empfange die dreifachen Zeichen (Krone Zepter und Ring), / weil des Dreieinigen Du / Tochter, Braut und Mutter bist.”
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Führung 5
Die Innenausstattung des Kirchenschiffs
In der Vierung findet sich bei der Figur des Hl. Augustinus als Chronogramm die Spruchbandinschrift: Magne tVos sVperas faC tenDere praesVL In aVLas; am Vierungsbogen gegenüber, oberhalb des Wappens von Propst Patritius II. von Heydon, ebenfalls als Chronogramm die Spruchbandinschrift: VnIVs aC trInI DoMVs IsthaC stabIt honorI. Beide Chronogramme ergeben das Jahr 1721 und meinen offensichtlich den Abschluß der Stukkierung.
Die Seitenaltäre des Querschiffs nehmen noch einmal - in verkürzter und abgeschwächter Form - die Komposition des Hochaltares auf: Auch hier die Dreiviertelsäulen der Vierung und die Kommunionbank als Eingang zur Bühne, Altarmensa mit kleinem, meisterhaft erarbeitetem Tabernakel, dahinter auf hohem Sockel der die ganze Breite des Querschiffes füllende Altaraufbau mit vorgezogenen Säulen, seitlicher Lichtführung und abschließendem Altarbild. Das Moment der Plastik kehrt wieder in den Stuckfiguren neben den Säulen, vier ausdrucksstarken Werken wohl von Egid Quirin Asam selbst (1721/22m, ein bis zwei Jahre vor den Figuren des Hochaltares).
Das Gemälde des linken Querhausaltares zeigt die Apostelfürsten Petrus und Paulus, wie sie nach der Verurteilung unerschrocken zum Martyrium eilen. Der Meister, Cosmas Damian Asam, hat sich im Bild in dem jungen Mann mit dem roten Mantel und dem Hut mit Federbusch porträtiert. Die Stuckfiguren: links der Hl. Georg, rechts der Hl. Florian.
rechts: Das Altarbild von Cosmas Damian Asam
Im rechten Querhausaltar, dem Josephsaltar, hat J. J. Plezger die Apotheose des Hl. Joseph dargestellt (1721). Die Stuckfiguren: links der Hl. Ambrosius, rechts die Hl. Monika. Im Tabernakel eine Kopie des gotischen Gnadenbildes der Braunauer Abteikirche, die sog. Thaumaturga. Die seitliche Lichtzuführung war hier wegen der anschließenden Klostergebäude nicht möglich.
links: Der Hl. Ambrosius, dargestellt mit einem Bienenkorb zu seinen Füßen
rechts unten: Johannes-Nepomuk-Altar, bitte zum Vergrößern anklicken.
Auf der linken Seite schließen sich in den Kapellen folgende Altäre an: Rosenkranzaltar , Bild von J. J. Plezger (1722).
Besonders hervorgehoben durch reichere Ausführung ist der dem ursprünglichen Seiteneingang gegenüberliegende Altar des Hl. Johannes von Nepomuk , der damals zur Ehre der Altäre erhoben wurde (1721). Das Bild stammt möglicherweise aus der Werkstatt Cosmas Damian Asams. Zu beiden Seiten des Bildes und in der Bekrönung des Altares Stuckfiguren, allegorische Darstellungen der vier Kardinaltugenden: Klugheit (links), Mäßigkeit (rechts), Gerechtigkeit (links oben) und Starkmut (rechts oben). Das Apollonia-Bild in der letzten Seitenkapelle verrät ebenfalls die Werkstatt C. D. Asams.
Auf der rechten Seite schmückt den Altar der ersten Kapelle ein Bild, welches das Wasserwunder des Hl. Korbinian darstellt, ein Werk von Cosmas Damian Asam 1720 für die ehem. Korbinianskapelle in Weihenstephan, seit 1982 hier als Leihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Der Altar, der eigentlich dem Hl. Augustinus geweiht ist, hatte im 19. Jahrhundert ein Bild des Hl. Sebastian im Nazarenerstil erhalten. Die mittlere Kapelle, bis zur Aufhebung des Chorherrenstiftes (1803) der Zugang vom Kloster her, birgt ein gutes Bild der Verklärung Christi von einem unbekannten Meister.
Hier fand auch der beachtenswerte romanische Taufbrunnen (Anfang 13. Jhd.) seinen Platz. Das weite Halbkugelbecken mit 1,20 m Durchmesser aus Kalkstein auf kurzem Fuß erhielt wirkungsvollen Schmuck durch ein dünnes Flechtornament aus Kreisen und Segmenten. Er weist auf die sündenfreie Himmelszone. Unten und oben ist sie durch ein Tauband geschützt, da keine Schlange (Symbol für das Böse) über ein Tau kriecht. Das Motiv findet sich an Kirchenportalen und Taufsteinen der Romanik. Die Inschrift auf dem Stein lautet: VIRTUS DIVINA - VIS VERBI - MERSIO TRINA - DILUIT - INNATUM - VETERI - RADICE - REATUM:
rechts: Der romanische Taufstein (um 1210)
Das Bild des Christophorus-Altares in der dritten Kapelle läßt wegen starker Übermalung den Meister nicht mehr erkennen. Auf dem Altar eine Kopie des Hl. Benedikt vom Portal der Braunauer Abteikirche.
Die Kanzel auf der Epistelseite (Zeichen einer Klosterkirche, da auf der Evangelienseite der Propst thront) ist erst nachträglich eingebaut worden (1730 bis 1740); der Meister ist unbekannt. Der Schalldeckel trägt die Gestalt des Hl. Augustinus, die Brüstung zieren die vier Evangelisten. - Das Kreuz mit der schmerzhaften Mutter Gottes an den Säulen gegenüber der Kanzel ist eine gute Barockarbeit.
oben: Die Brüstung der Kanzel mit den beiden Evangelisten Matthäus und Lukas, bitte zum Vergrößern anklicken
In der kreisrunden, als Einzelkomposition auffallenden Annakapelle an der Nordseite des Presbyteriums befinden sich 2 Grabdenkmäler für die Pröpste Patritius II. von Heydon, den Erbauer der Kirche, und Ludwig Wisman, den Bauherrn des barocken Klosters, die hier begraben liegen. Das erste hat reiche, spätbarocke Umrahmung, das zweite einen Rokokorahmen. Es ist anzunehmen, daß der Propst, Freiherr von Heydon, die Kapelle als Mausoleum für sich anlegen ließ. - In der Mitte der Kapelle unmittelbar vor dem Altar, wurde 1970 Abt Dr. Dominik Prokop beigesetzt, der 1. Benediktinerabt der Abtei Braunau in Rohr. Seine Grabplatte trägt die Worte: “Expulsus restituit destructum”, deutsch: “Selbst ein Vertriebener, stellte er das Zerstörte wieder her”. Der Altar der Kapelle mit St. Anna und Maria ist schlichte Handwerkskunst um 1720).
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